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Die geistlichen Werke der Barmherzigkeit

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Im christlichen Glauben an den fleischgewordenen Gott wird Barmherzigkeit zu einer konkreten, gleichsam inkarnierten Aufgabe. Allerdings ist zum Beispiel „Hungernde speisen“ kein Selbstzweck, wie in der Versuchungsgeschichte deutlich wird: Statt Steine in Brot zu verwandeln, wie es der Teufel vorschlägt, lehrt Jesus, dass der Mensch nicht nur von Brot lebt, „sondern von jedem Wort, das aus Gottes Mund kommt“ (Mt 4,4). Die Urgemeinde hat das beherzigt und den Aposteln Diakone zur Seite gestellt, damit über dem Dienst an den Witwen und an den Tischen die Verkündigung des Evangeliums nicht zu kurz kommt (siehe Apg 6,1–7). Auch die Aufforderung des Hebräerbriefs „Vergesst die Gastfreundschaft nicht, denn durch sie haben einige, ohne es zu ahnen, Engel beherbergt“ (13,2) ist nicht so sehr eine Handlungsanweisung als vielmehr ein Hinweis auf eine geistige Begegnung, die zum Heil dient.
Die leiblichen Werke der Barmherzigkeit wurden somit als Imperativ durchaus wörtlich genommen und eingefordert. Sie führten zu starken sozialkritischen Äußerungen zum Beispiel bei Johannes Chrysostomus (gestorben 407) oder wurden von Basilius von Caesarea (gestorben 379) mit dem Bau eines ganzen caritativen Stadtviertels in seiner Bischofsstadt praktisch umgesetzt.
Gleichzeitig entstand mit den geistigen Werken der Barmherzigkeit ein spirituelles Pendant zu den leiblichen Werken, das genauso biblisch begründet ist, auch wenn es nicht so geballt wie die leiblichen Werke im Jesuswort des 25. Kapitels des Matthäusevangeliums auftaucht. Zum Beispiel „Wenn dein Bruder sündigt, so weise ihn zurecht“ (Lk 17,3), der siebenundsiebzigfache Vergebungsauftrag (Mt 18,21–22) oder schlicht und ergreifend das Vaterunser: „Vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unsern Schuldigern.“
Deswegen wurde der Katalog der leiblichen Werke, der zuerst bei Laktanz (gestorben 320) auftaucht und den Augustinus (gestorben 430) als „Wohltaten am Leib des Nächsten“ auflistet, durch die „Wohltaten an der Seele des Nächsten“ ergänzt, wobei das Tun des einen nicht das Lassen des anderen bedeutet: Papst Gregor der Große (gestorben 604) zum Beispiel war ein unermüdlicher Prediger, der seine gesamte Schaffenskraft für die geistliche Schriftauslegung beanspruchte; gleichzeitig stellte er den Schutz und die Versorgung der Bevölkerung durch Lebensmittel sicher.
Thomas von Aquin (gestorben 1274) fasst einen längst bekannten, sieben Werke umfassenden Katalog „geistlicher Almosen“ oder „Erbarmungen“ – Unwissende lehren, Zweifelnden raten, Trauernde trösten, Sünder zurechtweisen, Beleidigern verzeihen, Lästige ertragen, für Lebende und Verstorbene beten – in einen Merkvers (mit nur sechs Elementen) zusammen: „consule, castiga, solare, remitte, fer, ora – rate, rüge, tröste, lasse nach, ertrage, bete“ (Summa Theologica II-II, q. 32,2). Grundsätzlich betont Thomas von Aquin den Vorzug der geistigen Almosen vor den leiblichen – außer in schwerer Not. Ein Verhungernder sei eher zu speisen als zu belehren. Die größte Wohltat jedoch, die man einem Menschen erweisen kann, besteht laut Thomas darin, „ihn vom Irrtum zur Wahrheit zu führen“ (In Divinibus nominibus 13,4).
Leibliche und geistige Werke der Barmherzigkeit sind nicht auseinander zu dividieren, das widerspräche auch der christlichen Tradition. Eine gelungene Verbindung leiblicher und geistiger Werke der Barmherzigkeit stellen die in der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts entstehenden Krankenpflegeorden wie die Barmherzigen Brüder und Kamillianer sowie die in der Zeit der Frühindustrialisierung zahlreichen Schulordensgründungen her. Im einflussreichen Lehrbuch der katholischen Moraltheologie von Franz Bittner (1845) werden leibliche und geistige Werke sogar miteinander verbunden: „Fremde beherbergen und die Sünder, d. i. die Gott Entfremdeten brüderlich zurechtzuweisen, das ist das vierte leibliche und geistige Werk christlicher Barmherzigkeit.“

Peter Bornhausen

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Papst Franziskus hat den Weltjugendtag 2016 in Krakau in seiner Botschaft an die Jugendlichen unter die Zeichen der Barmherzigkeit gestellt. Er fordert dazu auf, die Werke der Barmherzigkeit neu zu entdecken. Wie Veranstaltungen wie der Weltjugendtag selbst dazu beitragen, ein Werk der Barmherzigkeit zu erfüllen, darüber Macht sich der Augsburger Diözesanjugendseelsorger Florian Markter Gedanken.

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Das erste geistliche Werk der Barmherzigkeit ist „Unwissende lehren“. In Zeiten von Google und Wikipedia sollte man meinen, dass es keine Unwissenden mehr gäbe. Die Fülle und Orientierungslosigkeit unseres gesellschaftlichen „Mainstream-Wissens“ jedoch macht es für junge Leute schwer, sich ein Wissen anzueignen, das ihnen den Weg ins Glück weist. Und doch ist bei allen Jugendlichen eine Sehnsucht nach einem Wissen vorhanden, das ihnen nicht nur kurzfristige Glücksmomente verheißt, sondern von Dauer ist. Papst Benedikt XVI. weiß, dass junge Menschen „wissen (wollen), worum es in ihrem Leben wirklich geht…“
„Unwissende lehren“ bedeutet, ihnen den Schatz des Glaubens zu erschließen und zu helfen, den Sinn in ihrem Leben zu finden. Dieser Weg erfolgt in drei Schritten.
Zunächst ist es wichtig, in den Glauben der Kirche hineinzuwachsen. Jugendliche kennen die Inhalte des Glaubens oft nicht mehr aus ihrer Familie. Viele Eltern legen auf die religiöse Erziehung ihrer Kinder keinen besonderen Wert oder lassen sie aus einer falsch verstandenen Wahlfreiheit offen („Mein Kind soll später einmal selber entscheiden können.“). Wie selbstverständlich wird den Kindern jedoch die deutsche Sprache oder der Rechtsverkehr beigebracht, weil sie sich sonst in unserem Kulturraum nicht verständigen könnten. Um unsere Kultur und ihre Werte zu verstehen und zu bewahren, ist ebenso ein Hineinwachsen in den Glauben und die Kirche nötig. Es gibt viele Anknüpfungspunkte. Das können etwa  Orte und Veranstaltungen sein, wo sie ernst genommen werden und wo sie den Glauben und die Liebe zur Kirche erfahren können, zum Beispiel bei einem Youcat-Abend mit gemeinsamem Pizza-Essen.
Das können auch andere Jugendliche sein, die sie mit ihrer Begeisterung anstecken: „Das beste Mittel, um einen Jugendlichen für Christus zu gewinnen, ist ein anderer Jugendlicher.“ (Papst Franziskus), zum Beispiel beim Weltjugendtag in Krakau oder bei unseren diözesanen Jugendgemeinschaften (Offenes Seminar, Neuer Weg, Basical). Wichtig sind auch echte Vorbilder im Glauben, die sie zum Beispiel bei einer Jugendfahrt kennenlernen.
Jugendliche haben ein Recht darauf, die objektive Glaubenswahrheit (den Glauben der Kirche) kennen zu lernen, um sich dann mit ihr auseinander zu setzen und eigene Fragen zu stellen. Denn: Jugendliche können im Glauben der Kirche Sicherheit und Wegweisung erfahren.
Je besser Jugendliche den Glauben der Kirche kennen, desto klarer kann ihre Entscheidung für ein Leben im Glauben sein und desto fruchtbarer können sie ihn in ihrem Leben umsetzen.
Wer das Glück hatte, den Glauben der Kirche kennen zu lernen, der kann selber zu diesem Glauben stehen und Zeugnis geben. Jugendliche sind selbst die besten Lehrer für andere Jugendliche. „Unwissende lehren“ bedeutet auch, konkrete Angebote zu machen, damit sie im Glauben sprachfähig werden, gerade auch in den modernen Kommunikationsmitteln.

Pfarrer Florian Markter
in der Katholischen SonntagsZeitung

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Missionieren ist nicht gerade „in“, vielmehr hat es meistens einen negativen Beigeschmack. Umso mehr Mut gehört dazu, für den katholischen Glauben auf „Werbetour“ zu gehen, an den Türen zu klingen – aber eben nicht die Menschen zu überreden, sondern sie für Gott zu begeistern. Das haben 20 junge Leute in Nattenhausen bei Krumbach gemacht – während der „Missionarischen Woche 2016“.

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In einem Haus in Oberfranken wurden im vergangenen Jahr acht Babyleichen gefunden – Neugeborene, die wie Müll weggeworfen wurden. Eine schockierende Nachricht. Die 45 Jahre alte Mutter hat ein Teilgeständnis abgelegt. Die Frau war psychisch gestört, heißt es. Doch dass Kinder – auch von den eigenen Eltern – misshandelt oder sogar getötet werden, kommt immer wieder vor. Warum passiert so etwas, kann das irgendwie verhindert werden? Darüber hat katholisch1.tv mit Inge Christensen gesprochen. Sie leitet beim Sozialdienst katholischer Frauen die Beratungsstelle für Schwangerschaftsfragen in Augsburg.

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Papst Franziskus hat den Weltjugendtag 2016 in Krakau unter die Zeichen der Barmherzigkeit gestellt. Er fordert dazu auf, die Werke der Barmherzigkeit neu zu entdecken. Was „Trauernde trösten“ heute bedeuten kann, dazu schreibt Jugendpfarrer Wolfgang Schnabel von der Katholische Jugendstelle Kaufbeuren im Bistum Augsburg.


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„Umsonst habe ich auf Mitleid gewartet, auf einen Tröster, doch ich habe keinen gefunden“ (Psalm 69,21). Mit diesen Worten beschreibt David eine seiner dunkelsten Phasen, in denen er sich von den Menschen und von Gott verlassen fühlt. Wahrer und echter Trost fehlt häufig da, wo tiefe Trauer ist.
Trauernde trösten – das ist sicher ein Werk der Barmherzigkeit, das an die Substanz geht. Auch Jugendliche erleben immer wieder Phasen der Trauer und des Abschiednehmens; Zeiten in denen es gerade wichtig ist, nicht alleine zu sein. Der Apostel Paulus betont in seinen Briefen häufig, dass das Trösten der Trauernden ein besonderer Dienst in der Gemeinde ist, dass aber auch Gott uns trösten möchte: „Er tröstet uns in all unserer Not, damit auch wir die Kraft haben, alle zu trösten, die in Not sind, durch den Trost, mit dem auch wir von Gott getröstet werden“ (2 Kor 1,4). Dabei ist auffällig, dass gar nicht näher beschrieben ist, wie man eigentlich richtig tröstet.
Was da eigentlich passiert im Trost, ist nicht so leicht in Worte zu bringen. Leichter ist es da schon, in Ausschlusskategorien zu definieren und zu sagen, was sicher kein Trost ist, und doch so leicht mit ihm verwechselt wird: Das „Vertrösten“, das Wegschieben der Trauer in einen fernen Bereich, der nicht fassbar ist, das elegante Umgehen von Dunkelheit und Tränen.
So bleibt zu fragen, ob es Trost ist oder doch nur ein Vertrösten, wenn der Verlust eines geliebten Menschen kompensiert werden soll mit dem Bemerken auf ein „Wiedersehen im Himmel“. Hilft es, in einem dunklen Tunnel ein Licht anzuzünden? Nein, es hilft nur dann, wenn der, der Licht spenden will, gleichzeitig bereit ist, den Trauernden an die Hand zu nehmen und herauszuführen aus dem Dunkel, wenn er bereit ist, nicht „hinweg“ zu trösten, sondern „hinein“.
Das ist schwer, und es macht das Trösten zu einer Aufgabe, die nicht mal eben mit einigen netten Sätzen am Rande erledigt werden kann. Denn ein Trauernder schreit nicht nach vielen Worten, er ist eher auf der Suche nach einem Ohr, das Zeit hat, zuzuhören. „Consolatio“ heißt Trost auf lateinisch. „Con“ = mit, „solo“ = allein. Mit dem sein, der allein ist, das ist Trost.
Dieser echte Trost ist nicht billig zu haben. Gott hat es uns vorgemacht –und dabei nicht irgendwen zum Trost verheißen, sondern seinen Heiligen Geist: „Gott wird alle Tränen von ihren Augen abwischen“ (Offb 7,17). In diesen wenigen Worten ist das ganze Geheimnis des wahren Trostes enthalten. Am Ende steht also Gott, der die letzten Tränen abwischen wird. Diese Berührung Gottes wird entschädigen für alle Unzulänglichkeiten, die der menschliche Trost zuvor mit sich gebracht haben mag.

Pfarrer Wolfgang Schnabel 
in der Katholischen SonntagsZeitung


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Allerheiligen und Allerseelen – das sind Tage der Stille und der Trauer. Obwohl beide unterschiedliche Bedeutunge haben, sind sie mittlerweile zu einer kirchlichen Gedenkfeier verschmolzen. Neben Weihnachten, Ostern oder Pfingsten gehört Allerheiligen zu den Hochfesten der katholischen Kirche. Bis heute ist es einer der letzten so genannten „stillen Tage“.

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An Allerheiligen und Allerseelen sind die Friedhöfe kein trauriger Ort, sondern ein Ort der Begegnung und der Kommunikation. Warum es so wichtig ist, beide Tage ganz bewusst zu begehen – darüber hat katholisch1.tv mit Weihbischof Florian Wörner gesprochen.

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Als Jesus weiterging, sah er einen Mann namens Matthäs am Zoll sitzen und sagte zu ihm: Folge mir nach! Da stand Matthäus auf und folgte ihm. Und als Jesus in seinem Haus beim Essen war, kamen viele Zöllner und Sünder und aßen zusammen mit ihm und seinen Jüngern. Als die Pharisäer das sahen, sagten sie zu seinen Jüngern: Wie kann euer Meister mit Zöllnern und Sündern essen? Er hörte es und sagte: Nicht die Gesunden brauchen einen Arzt, sondern die Kranken. Darum lernt, was das heißt: Bermherzigkeit will ich, nicht Opfer. Denn ich bin gekommen, um die Sünder zu rufen, nicht die Gerechten. (Mt 9,9-13)

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Und er erzählte ihnen dieses Gleichnis: Ein Mann hatte in seinem Weinberg einen Feigenbaum; und als er kam und nachsah, ob er Früchte trug, fand er keine. Da sagte er zu seinem Weingärtner: Jetzt komme ich schon drei Jahre und sehe nach, ob dieser Feigenbaum Früchte trägt, und finde nichts. Hau ihn um! Was soll er weiter dem Boden seine Kraft nehmen?
Der Weingärtner erwiderte: Herr, lass ihn dieses Jahr noch stehen; ich will den Boden um ihn herum aufgraben und düngen. Vielleicht trägt er doch noch Früchte; wenn nicht, dann lass ihn umhauen. (Lk 13, 6-9)

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Dass Tugend und Laster in einem dauerhaften Wettstreit sind – diese Vorstellung war vor allem im Mittelalter verbreitet und spiegelt sich auch in der Kunst wieder. Die 7 Todsünden haben die Menschen schon immer beschäftigt. Eine Ausstellung im Augsburger Diözesanmuseum beschäftigt sich mit der Frage, wie Künstler die im vierten Jahrhundert eingeführte Todsünden-Kategorisierung in ihre jeweilige Zeit übersetzt haben. Neben eigens für die Ausstellung geschaffenen Werken sind viele Arbeiten namhafter Künstler zu sehen.

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Zu verzeihen ist nicht selbstverständlich, schreibt Pfarrer Dominik Zitzler von der Katholischen Jugendstelle Schrobenhausen im Bistum Augsburg. Zu dem Werk der Barmherzigkeit gehört Erbarmen. Zum Weltjugendtag hat Papst Franziskus den Jugendlichen besonders die Werke der Barmherzigkeit ans Herz gelegt.


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„Sind wir wieder gut?“ Diese Frage habe ich als Kind oft meiner Mutter gestellt, wenn wir uns gestritten hatten. Ich habe es nie lange ausgehalten, mit jemandem, der mir wichtig ist „nicht gut“ zu sein. Jemandem zu verzeihen, den ich gern habe, ist schon nicht so leicht. Jemandem zu verzeihen, der mir nicht sympathisch ist, der mich sogar beleidigt hat, ist um Vieles schwerer. Das ist keineswegs selbstverständlich, sondern ein Werk der Barmherzigkeit. Keiner kann von mir verlangen, dass ich automatisch gleich alles verzeihe, was mir an Beleidigungen an den Kopf geworfen wurde. Aber einer muss den ersten Schritt machen, damit Versöhnung möglich wird. Mein Erbarmen mit dem Beleidiger bewahrt mich davor, dass ich seiner Beleidigung zu viel Macht über mich gebe. Durch mein Erbarmen lasse ich die Wut, den Ärger und die Ungerechtigkeit gar nicht erst zu mächtig bei mir werden. Ich weiß, das ist leichter gesagt als getan. Die Beleidigung steht im Raum, sie hat mich getroffen und sie hat mich verletzt. Jetzt ist es meine Entscheidung, wie ich mich dazu verhalte: Lasse ich die Verletzung zu einer „tödlichen Wunde“ werden, die jede Beziehung abtötet? Starte ich zum Gegenangriff und lasse mich auf die endlose Spirale von Angriff und Gegenangriff ein? Oder versuche ich, den anderen zu verstehen, um nachzuvollziehen, woher die Beleidigung kommt? Habe ich Erbarmen mit dem anderen und verzeihe ihm, damit die Beziehung zu ihm nicht getötet, sondern doch noch gerettet wird?
„Vergebt einander, wenn einer dem anderen etwas vorzuwerfen hat. Wie der Herr euch vergeben hat, so vergebt auch ihr!“ (Kol 3,13) Dazu lädt Paulus auch mich ein, wenn ich selber beleidigt wurde.
Aus meiner Erfahrung in der Jugendarbeit ist es ein großer Glücksfall, wenn jemand bereit ist, Beleidigungen zu verzeihen. Bei Tagen der Orientierung im Rahmen der Persönlichkeitsbildung kommen bei Schulklassen oft viele Verletzungen durch Beleidigungen an die Oberfläche. Ein Wort gibt das andere, Mobbing, übertriebene Selbstdarstellung, Neid und Eifersucht – ein perfekter Nährboden für Beleidigungen aller Art. Das gilt natürlich nicht nur für Schulklassen. Die Bereitschaft, Beleidigungen ernsthaft zu vergeben, ermöglicht einen Neubeginn und ein ganz neues Erleben von Gemeinschaft. Es gelingt nicht immer, aber wo es gelingt ist es für alle Beteiligten ein großer Segen: „Vergeltet nicht Böses mit Bösem noch Kränkung mit Kränkung! Statt dessen segnet, denn ihr seid dazu berufen, Segen zu erlangen.“ ( 1 Petr 3,9)

Pfarrer Dominik Zitzler
in der Katholischen SonntagsZeitung





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Über Lästige und Lasten schreibt Pfarrer Andreas Braun, Diözesanjugendseelsorger und BDKJ-Präses im Bistum Hildesheim.

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Wenn mir eine Sache lästig ist, dann versuche ich, sie zu vermeiden. Wahrscheinlich gibt es auch Menschen, denen wir lieber aus dem Weg gehen. Es gibt Personen in unserem Umfeld, die uns lästig sind. Bei manchen können wir den Kontakt minimieren und die Herausforderung so lösen. Mit anderen, die uns lästig sind, müssen wir uns irgendwie arrangieren. Aber wie?
Vielleicht hilft eine Umkehr der Blickrichtung. Was ist, wenn der andere mir nur darum lästig ist, weil er eine schwere Last zu tragen hat? Womöglich nervt mich das Verhalten des anderen nur deshalb, weil ich selbst mit mir unzufrieden bin? Und was wäre, wenn die lästige Eigenart des Gegenübers mir nur deswegen so negativ auffällt, weil ich in ihm eigene Schwachpunkte vor Augen geführt bekomme?
Junge Menschen sind oft sehr direkt. Sie äußern unverhohlen, wenn ihnen etwas nicht passt. Mitunter können sie erschütternd ehrlich sagen, was sie so richtig nervt. Auch wenn es ziemlich anstrengend sein kann, es lohnt sich, dem „Nervigen“ nicht aus dem Weg zu gehen. Oft wird gerade in der Kirche allzu schnell Konflikten aus dem Weg gegangen. Mitunter rächt sich das, indem sich Ärger aufstaut, nur um dann irgendwann richtig zu explodieren.
Um den Umgang mit Konflikten geht es auch bei verschiedenen Formaten kirchlicher Jugendarbeit. In den Jugendverbänden zum Beispiel lernen junge Menschen demokratische Prozesse kennen, üben sich in Debattenkultur und lernen, mit Konflikten gut umzugehen. Manche Diskussion mag dabei echt anstrengend sein und manch ein Gegenüber kann echt lästig werden. Aber die Konfrontation mit dem Lästigen lohnt sich.
Ich mache die Erfahrung, dass Jugendliche an dem wachsen können, was ihnen zunächst einmal lästig erscheint. Sie stehen ständig in der Schule, in der Ausbildung und allgemein in ihrem Lebensumfeld vor Herausforderungen. Junge Menschen haben ganz eigene Lasten zu tragen, manchmal richtig schwere Brocken. Wie gut, dass es in Jugendgruppen und Verbänden die Möglichkeit gibt, Lasten gemeinsam zu tragen. Junge Menschen, die sich in der kirchlichen Jugendarbeit verorten, können spüren, dass es hinter allem auch noch eine weitere Dimension gibt.
Der christliche Glaube lädt dazu ein, Lasten gemeinsam zu tragen. Man darf sich mit anderen verbunden wissen, indem man gemeinsam Probleme angeht, Schwieriges gemeinsam meistert und so eben einer des anderen Last trägt. Als gläubiger Christ darf ich vor allem aber immer auch spüren, dass da jemand ist, der meine Lasten mitträgt. Gott trägt in Jesus Christus die Last der Welt. Das klingt hochtheologisch und allgemein, ist aber immer auch zutiefst konkret und lebensnah. Auch das, was uns zur Last wird, auch mein Nächster, der mir lästig ist, und vor allem auch ich selbst mit meinen Lasten darf mich von Jesus Christus getragen fühlen. 

Pfarrer Andreas Braun
in der Katholischen SonntagsZeitung

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Beim Weltjugendtag in Krakau vom 26. bis 31. Juli 2016 stehen für Hunderttausende junger Menschen die Werke der Barmherzigkeit im Mittelpunkt. Was „Für alle beten“ heute bedeutet, erläutert Oliver Rid. Er ist Jugendpfarrer im Jugendhaus Elias des Bistums Augsburg und der Dekanate Kempten, Sonthofen und Lindau.


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„Beten Sie für mich!“ – viele Menschen treten mit dieser Bitte an mich heran. Oft bildet sie den Abschluss einer geglückten Begegnung. Auch bei Jugendlichen kommt diese Bitte immer wieder vor, dann meistens in der Frageform „Kannst du bitte für mich beten?“.
Ich muss ganz ehrlich sagen: Die Bitte ums Gebet freut mich jedes Mal aufs Neue! In der Regel antworte ich mit den Worten „Beten wir doch füreinander – ich für Sie und Sie für mich!“ Gibt es eine schönere Vorstellung, als dass Menschen füreinander beten?
Wie gerne würden wir mit uns lieben Menschen noch mehr Zeit verbringen! Wie gerne würden wir bedürftigen Menschen noch mehr helfen und für sie da sein! Doch oft fehlen uns dazu ganz einfach die Zeit oder die Möglichkeiten. Für sie zu beten – das geht dagegen fast immer!
Wenn Menschen füreinander beten, dann denken sie aneinander, sie vergessen sich und ihre Anliegen nicht. Doch das ist noch lange nicht alles: Sie sind miteinander verbunden – im Geist verbunden, in Gott verbunden. In Gott verbunden zu sein, das ist eine richtig starke Verbindung, die auch die größte Entfernung überbrücken kann! Ist es nicht das größte Glück des Menschen, sich in einer wahrhaft starken Verbindung zu wissen, in deren Mitte Gott selber ist?
Papst Franziskus beendet jede Ansprache – ganz egal ob er gerade bei Jugendlichen, Ehepaaren, Bischöfen oder Gefangenen weilt – mit der Bitte „Betet für mich!“. Er, der Papst, bittet uns um unser Gebet! Darin leuchtet auf, was Kirche in allererster Linie ist: eine riesige Gebets-Gemeinschaft rund um den Globus, in der alle füreinander beten.
Vor einigen Monaten erfuhr eine Jugendliche in meiner Gegenwart vom Tod ihrer Oma. Wir beteten miteinander für die Verstorbene. Ich durfte miterleben, wie sich die anfängliche Trauer legte und in Ruhe überging. „Ich fühle mich jetzt mit meiner Oma wieder verbunden“, waren die abschließenden Worte. Ja, zur Gebets-Gemeinschaft gehören selbstverständlich auch die Verstorbenen.
Sobald wir füreinander beten, treten wir also ein in eine richtig starke Gemeinschaft, die keine Grenzen kennt – weder räumliche noch zeitliche. Und mitten drin ist Gott. Und bei ihm ist jedes Anliegen bestens aufgehoben.
Pfarrer Oliver Rid

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Unter dem Motto „24 Stunden für Gott“ ruft der Vatikan in der Fastenzeit zum weltweiten gemeinsamen Gebet auf. 2014 hat Papst Franziskus die Aktion ins Leben gerufen. Im Bistum Augsburg beteiligten sich mehrere Pfarreien. Im Augsburger Dom schloss sich an eine Bußfeier auch noch ein Nightfever an. katholisch1.tv war mit dabei!

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Diese Multimedia-Reportage wird realisiert von der Mediengruppe Sankt Ulrich Verlag GmbH, Augsburg.

Gesellschafter: Diözese Augsburg (100 %)
Geschäftsführer: Johann Buchart

Henisiusstraße 1, 86152 Augsburg
Postfach 11 19 20, 86044 Augsburg
Telefon: 0821/50242-0 (Zentrale)
Telefax: 0821/50242-41
E-Mail: johann.buchart@sankt-ulrich-verlag.de

HRB 6161, Amtsgericht Augsburg
Ust.IdNr. DE127510854

Videobeiträge von katholisch1.tv
Textbeiträge: Katholische SonntagsZeitung/Neue Bildpost

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